Herrliches Deutschland

Ein Menschenversuch von Christian Y. Schmidt

(satire-am-abend.de - 7.7.21) Seit mehr als fünfzehn Jahren lebt Christian Y. Schmidt in Peking. Das hat seinen Blick auf Deutschland verändert. Wenn er sich hier aufhält, notiert er, was ihm Sonderbares, Absurdes und Komisches auffällt. Die Notate erscheinen unter der Überschrift „Herrliches Deutschland“ zum Teil als Postings auf Facebook, ein „Best of Herrliches Deutschland“ jährlich auf einer Doppelseite im „Neues Deutschland“. Jetzt haben sich so viele dieser Miniaturen angesammelt, dass daraus ein Buch entstehen soll. Aber natürlich nicht, bevor das Material an Menschen getestet wurde. Für den Menschenversuch müssen einmal mehr die Falkenseer und die Bewohner benachbarter Dörfer und Kleinstädter (Berlin, Potsdam) herhalten. Denn so wie schon im letzten Jahr die erste (und aufgrund der Pandemie auch bisher einzige) Live-Lesung aus Schmidts Megaseller „Der kleine Herr Tod“ (illustriert von Ulrike Haseloff) im Falkenseer Garten eine Welturaufführung war, so wird es sich auch bei der „Herrliche Deutschland“-Lesung um eine Weltpremiere handeln. Sie wird wahrscheinlich auch für lange Zeit die letzte Lesung von Schmidt in Deutschland sein, bevor er wieder nach China reist, um hier im nächsten Jahr – vorausgesetzt die Pandemie spielt mit - zusammen mit seinem Kollegen Volker Häring auf den Spuren des legendären Langen Marsches 7.000 Kilometer durch China zu radeln. Mehr schon jetzt im Internet unter „So weit die Füße radeln“.


Fischer fischt frische Philosophie

Satiriker Leo Fischer schafft mit seinem Roman „Der Kaffee am Arsch der Welt“ den ersten Nicht-Ratgeber. „Großartig!“, findet die Redaktion

 

Finkenkrug (vit). Das Jahr 2020 hat an freudigen Ereignissen gespart. Und so hoben sich die wenigen, die es gab, im besonderen Maße ab. Darunter war am 18. September die Open Air-Lesung des Autors Leo Fischer. Fischer ist Publizist für humoristische und satirische Texte.

 

In Finkenkrug las er aus seinem neusten Buch „Der Kaffee am Arsch der Welt“ - und es war großartig. Das Publikum lachte zum einen viel, weil alles einfach sehr lustig war, und zum anderen, weil Fischer eine ausgefeilte Vorlesetechnik hatte. Seine angenehme Stimmlage führte gekonnt von einer Pointe zur nächsten.

 

„Der Kaffee am Arsch der Welt“ ist laut Buchbeschreibung „eine Erzählung über den Unsinn pseudophilosophischer Weisheiten“ und orientiert sich in seiner Einbandgestaltung, seinem Titel und ein ganz klein wenig inhaltlich an John Streleckys „Das Café am Rande der Welt – Eine Erzählung über den Sinn des Lebens“. Bei Strelecky findet der abgehetzte Protagonist Ruhe und Erkenntnis in einem Café am Rande der Welt. Das Buch gilt als Lebensberater und Wegweiser zu mehr innerer Ruhe.

 

Leo Fischer nimmt Streleckys Selbstoptimierungsroman zum Anlass, selbst ein ähnliches Werk zu schreiben - nur eben ganz anders. Dabei hangelt sich der studierte Philosoph Fischer anfänglich grob an Streleckys Erzählweise lang, um dann vollends abzudrehen. Fischers Hauptfigur wird vom Pop-Philosophen Richard David Precht durch Welten geführt und vor schwerwiegende Fragen wie Sterbehilfe gestellt. Dabei hat Leo Fischer, laut eigenen Angaben, einfach „mal geguckt, wohin das Ganze führt“ und sich im Vorfeld keine großen Gedanken über einen speziellen Plot gemacht. Und genau das macht den „Kaffee am Arsch der Welt“ zu einem Genuss.

Der Leser wird nicht dem altbekannten Spannungsbogen einer vorhersehbaren Geschichte ausgeliefert, sondern auf jeder Seite mit einer neuen Absurdität überrascht. Dabei imitiert Fischer die Sprache, in der Selbstoptimierungswerke geschrieben sind, gekonnt. Zum Beispiel fällt der Begriff „G-W-G-Wert“ im Buch. Ein ausgedachter Ausdruck, der aber schön wissenschaftlich klingt. Fischer freut es, dass sein aktueller Roman in Buchhandlungen meist direkt neben Streleckys Werken steht und sich besser verkauft als jedes andere Buch, das er bisher veröffentlicht hat. Insofern „hat es mich und mein Leben reicher gemacht“, wie er selbst auf Amazon schreibt.

 

„Der Kaffee am Arsch der Welt“ ist für alle das Richtige, die es gut finden.

 

Die neueste Fünf-Sterne-Rezension auf Amazon dazu stammt von Nutzerin „Satzuki“ (Vivien Tharun): „Als ich zur Weihnachtszeit eine handgeschriebene Postkarte meines Steuerberaters erhielt und zeitgleich auf dem Küchentisch ein von mir gebackener Kuchen stand, wusste ich: Ich bin eine Rosskastanie. Zu dieser Erkenntnis brachte mich dieses formidable Buch. Sogleich konnte ich mein Leben neu gestalten. Ich investierte in Gold (3,57 Euro) und wechselte den Beruf. Seitdem ist mein G-W-G-Wert immens gestiegen. Auch verstehe ich nun deutlich besser, was den Philosophen Richard D. Precht ausmacht: Wallende Haare und erotisch-männliche Arme. Danke, Herr Fischer!“

 

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Gartenlesung

 

Finkenkrug (elka). Die Veranstaltungsreihe „Gartenlesung“ in Finkenkrug soll in diesem Jahr fortgesetzt werden. Der Eintritt ist frei, doch wer hat, kann geben! Alle Einnahmen gehen direkt an die Künstler. Details und Voranmeldungen gibt es entweder per Mailorder gartenlesung@web.de onlien unter satire-am-abend.de oder hier:

Reservierung Gartenlesung 2021 "Satire am Abend"

Anzahl der Teilnehmenden Personen bitte angeben - begrenzte Teilnehmerzahl! Teilnahmebestätigung erfolgt durch den Veranstalter.

Die aktuellen Hygieneregeln (Abstandsregel oder negatives Testergebnis oder Impfnachweis) werden brutal durchgesetzt. Alle Gartenstühle sind ca. 1,5 Meter voneinander entfernt (Bitte Sitzkissen mitbringen!). Eine permanent desinfizierte Toilette steht zur Verfügung (Benutzung nur mit Mund-Nasen-Bedeckung). Handdesinfektionsmittel sind ausreichend vorhanden. Getränke können mitgebracht oder als Flasche erworben werden: Bier, Limonade, Wasser, Wein (0,25l) oder Schnaps (0,02l). Bücher und tolle Merchandising-Produkte können vor Ort erworben und signiert oder bestellt werden. Der Eintritt ist frei, doch wer hat, kann geben! Alle Einnahmen gehen direkt an die Künstler. Bitte Anzahl der Teilnehmer bei Bestellabschluss angeben! Alle Informationen zur Veranstaltung finden Sie unter satire-am-abend.de
(Fotos: Vivien Tahrun)

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